Ansprechbar: "Gibt es die Geistesgaben heute noch?"
BlogPost · Glaubensleben
In meiner ersten Gemeinde, in der ich kurz nach meiner Entscheidung für Jesus ein Zuhause fand, hatte ich eine Frage an meinen Jugendleiter. Ich hatte von anderen christlichen Freunden gehört, dass es sogenannte „Gaben des Heiligen Geistes“ geben sollte. Diese Gaben würden einen zu richtig krassen Dingen befähigen: Heilungen von Krankheiten, sprechen in fremden Sprachen, Wunder, ekstatische Erfahrungen in Gottes Gegenwart, prophetisches Reden.
Ich ging also auf meinen Jugendleiter zu und fragte ihn, ob wir mal eine Einheit zu diesen „Gaben des Heiligen Geistes“ machen könnten. Er willigte ein.
Ein paar Wochen später gab’s die Einheit tatsächlich. Allerdings ging es dabei um Galater 5. Ich sag’s mal so: Knapp daneben ist auch vorbei. Galater 5 zählt die sogenannten „Früchte des Heiligen Geistes“ auf: Liebe, Gerechtigkeit, Frieden, Selbstbeherrschung usw. Zunächst checkte ich als frischbekehrte Christin nicht, dass mir hier Früchte für Gaben verkauft wurden.
Dann dämmerte es mir aber doch. Und ich wurde zum ersten Mal damit konfrontiert, dass es sehr gegensätzliche Meinungen zu den Geistesgaben in der Christenheit gibt. Mein Jugendleiter wollte partout keine Einheit zu den wirklichen Gaben des Geistes machen, wie wir sie in 1. Korinther 12 finden. In seinen Augen wäre das absolut falsch gewesen. Es schien fast so, als hätte er eine wirkliche Angst vor der Beschäftigung mit diesem Thema. Also erzählte er mir einfach von den Früchten des Geistes.
Die einen Christen glauben tatsächlich daran, dass die Gaben aus 1. Korinther 12 (Prophetie, Sprachenrede, Heilung usw.) noch aktuell und relevant sind. Die anderen verteufeln es jedoch geradezu, wenn Christen heutzutage noch in den Geistesgaben unterwegs sein wollen oder wenn diese davon erzählen, wie sie heute noch Zeichen und Wunder erleben. Ihr Argument: Die Geistesgaben seien nur den damaligen Aposteln vorbehalten gewesen. Heute würden die Wunder, die bspw. bei einer Ausübung der Gabe der Heilung im Heiligen Geist geschehen, durch einen anderen Geist bewirkt werden. Ja, von einem dämonischen. Oder es sei der berühmte Placebo-Effekt am Werk, wenn Menschen von einer Heilung sprechen würden. Der Heilige Geist würde heute nicht mehr so mächtig wirken wie zu Zeiten der Apostelgeschichte.
Heute geht’s also genau um diese Frage, die uns auch immer wieder aus unserer Community gestellt wird: Gibt es die Geistesgaben heute noch? Kann ich heute als Kind Gottes, welches den Heiligen Geist in sich trägt (vgl. Römer 8), prophetisch reden, Menschen heilen oder aus der Kraft Gottes heraus in fremden Sprachen reden?
Also los geht’s mit der Diskussion:
Eines der größten Argumente gegen die Aktualität der Geistesgaben besagt, dass die Zeichen und Wunder, die die Geistesgaben bewirken, zur Ausbreitung des Reiches Gottes auf dieser Erde gedient hätten. Die Apostel hätten solch mächtige Ereignisse gebraucht (wie Jesus zu seiner Zeit auf dieser Erde mit seinen zahlreichen Wundern), um die neue Botschaft vom Evangelium vor den Menschen zu legitimieren. Nun, 2.000 Jahre später, sei dies nicht mehr von Notwendigkeit.
Ehrlich gesagt stelle ich diese These stark infrage. Denn nach wie vor werden jedes Jahr Menschen geboren, für die die Botschaft des Evangeliums eine gänzlich neue ist. Für sie ist sie neu, sie haben davon noch nie gehört oder hören zum ersten Mal davon, dass es einen Jesus Christus gibt, Gott selbst, der für sie und ihre Sünden ans Kreuz gegangen ist. Diese Menschen interessiert es nicht, dass die Botschaft des Evangeliums schon seit über 2.000 Jahren verbreitet wird. Für sie ist es eine frische Botschaft.
Weshalb sollte Gott deren Augen nicht auch für Gott selbst durch eindeutige Zeichen und Wunder öffnen können, zum Beispiel durch ein Gebet, das auf einmal von einer schweren Krankheit heilt?! Der Auftrag aus Apostelgeschichte 1:8, das Evangelium in die ganze Welt zu tragen, hält doch auch niemand für veraltet. Das Reich Gottes breitet sich immer noch aus. Nicht nur zu Zeiten der Apostelgeschichte. Die Apostel waren nur der Anfang. Bis heute bekehren sich Menschen weltweit zu Jesus Christus, und die Ausbreitung des Reiches Gottes wird erst dann ihr Ende finden, wenn Jesus Christus am Ende aller Tage das endgültige Reich Gottes in Ewigkeit einläuten wird!
Weiter wird von der Gegenseite argumentiert: Die Bibel selbst spreche in 1. Korinther 13:8-10 doch Folgendes:
„Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.“
Das Vollkommene sei die Bibel, das vollkommene Wort Gottes, welches viele Jahre nach dem Wirken der Apostel in verschriftlichter Form des heutigen Bibelkanons (also mit den heutigen Büchern der Bibel) vorlag. Mit der Fertigstellung der Bibel seien keine Geistesgaben mehr notwendig.
Ich muss leider sagen, dass ich mich über dieses Argument schon immer gewundert habe. Wieso sollte die Bibel das Vollkommene sein? Ist Jesus Christus nicht der Vollkommene? Ergibt es nicht viel mehr Sinn, dass dann natürlich die Geistesgaben aufhören werden, wenn Jesus Christus in seiner Vollmacht eines Tages wiedergekommen sein wird? Wenn dann das ewige Reich Gottes anbricht, brauchen wir alle selbstverständlich keine Zeichen und Wunder mehr, um Gottes Gegenwart zu zeigen, weil Jesus Christus selbst dann immer mitten unter uns ist und der Auftrag, die ganze Welt für Jesus zu gewinnen, damit sowieso sein Ende findet.
Du merkst: Ich selbst glaube daran, dass es auch heute noch die Geistesgaben gibt. Einfach deswegen, da mich keines der Gegenargumente wirklich überzeugen kann und ich in der ganzen Bibel viel davon höre, dass wir in den Gaben des Heiligen Geistes leben sollen. Sie gehören zu unserem Auftrag dazu, das Evangelium zu verkünden.
Mir ist bewusst, dass nicht alles super läuft und bestimmt tatsächlich Menschen unterwegs sind, die Performance als Wirken des Heiligen Geistes ausgeben. Lass dich jedoch nicht durch solche schlechten Erfahrungen und aus Angst heraus davon abhalten, das zu erleben, was Gott dir durch die Geistesgaben schenken möchte! Ich möchte das auf jeden Fall nicht verpassen. :-)
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Binggeli

