Hanna aus der Bibel - Was wir heute noch von ihr lernen können
BlogPost · Glaubensleben
Der Name Hanna bedeutet „Gunst“ und „Gnade“. Wie diese Bedeutung zu der Lebensgeschichte von Samuels Mutter aus der Bibel passt und was uns diese Geschichte heute noch lehren kann, möchte ich dir in diesem Blogbeitrag zeigen.
Hannas Geschichte im Alten Testament
Die ausführliche Geschichte von Hanna kannst du im Alten Testament im 1. Buch Samuel in Kapitel 1 nachlesen. An dieser Stelle soll es nur einen groben Überblick geben:
Geschichtlich gesehen befinden wir uns in einer Zeit, in der das Volk Israel am Berg Sinai mit Gott einen Bund eingegangen war, der ewige Treue und das Einhalten der Gebote umfasste. Leider gestaltete sich die Umsetzung dessen jedoch schwieriger als gedacht. Das Volk lebte somit seit einiger Zeit im Chaos (was im Buch Richter nachzulesen ist), wodurch das Bedürfnis nach einem weisen und zuverlässigen Anführer immer größer wurde. Das 1. Buch Samuel setzt an dieser Stelle an und wir lernen direkt im 1. Kapitel eine Frau namens Hanna kennen.
Hanna ist neben Peninna eine Frau von Elkana. Peninna hatte bereits einige Kinder mit Elkana, Hanna jedoch nicht. Diesen vermeintlichen Vorteil nutzte Peninna des Öfteren aus, um Hanna mit Sticheleien und Spott zu kränken. Elkana jedoch zeigte sich Hanna gegenüber trotz der Kinderlosigkeit immer als liebevoll, großzügig und tröstend. Doch seine Worte und Taten konnten sie scheinbar nicht von ihrem Wunsch nach eigenen Kindern abbringen. So machte sie sich auf den Weg in den Tempel. Dort weinte und betete sie lange, ohne dass auch nur ein Ton über ihre Lippen kam. Aufgrund dessen vermutete der Priester Eli, sie sei betrunken, und er bat sie, nach Hause zu gehen. Doch Hanna öffnete ihm ihr Herz, erzählte von ihrer Verzweiflung und ihrem Gebet zu Gott. So ermutigte Eli sie mit den Worten:
„Geh getröstet und in Frieden nach Hause! Der Gott Israels wird dir geben, worum du gebeten hast.“
Voller Erleichterung und mit neuer Hoffnung ging Hanna zurück nach Hause. Nur wenige Zeit später brachte sie einen Sohn namens Samuel zur Welt. Dieser wiederum nahm später als letzter Richter Israels, Priester und Prophet eine wichtige Rolle in der Geschichte des Volkes Israel ein.
Hanna als Person
Was zeichnet diese Frau Hanna nun als Person aus? Geht man chronologisch vor, so wird zu Beginn der Geschichte ersichtlich, dass Hanna mit ihrem Mann Elkana und dessen anderer Frau Peninna zusammenlebte. Dass Peninna bereits Kinder hatte, führte dazu, dass sie sich Hanna gegenüber überlegen fühlte. Immer wieder kam es zu Sticheleien, spöttischen Aussagen, einem heuchlerisch mitleidigen Ton. Und wir wissen nicht, ob nicht auch andere Menschen in Hannas Umfeld Bemerkungen zu ihrer Kinderlosigkeit gemacht haben. Gut vorstellbar wäre es. Was das mit Hanna wohl gemacht und vor allem in ihrem Innern angerichtet haben muss?! Doch ganz anders, als man vermuten könnte, reagierte Hanna nicht abfällig, ausfallend oder angreifend auf diese verletzenden Bemerkungen. Wir lesen von keinen negativen Äußerungen Hannas gegenüber Peninna. Etwas, das auch wir uns zu Herzen nehmen können! Sicherlich gibt es Momente, in denen die eigene Sichtweise, Meinung sowie Verletzbarkeit deutlich gemacht werden muss. Doch nicht wirklich führt die Einstellung „wie du mir, so ich dir“ zu einem friedvolleren Umgang. Vielmehr können wir zu einem Vorbild im liebevollen Umgang mit unseren Mitmenschen werden.
Eine ähnliche Situation finden wir im weiteren Verlauf der Geschichte, als der Priester Eli Hanna vorwirft, sie sei im betrunkenen Zustand im Tempel. Auch in dieser Situation könnte man vermuten, dass Hanna sich persönlich angegriffen fühlte und demzufolge mit Worten oder Taten reagierte. Doch erneut blieb Hanna ruhig, sie verschloss sich nicht, sondern öffnete ihr Herz vor Eli. Dies zeigt mir, dass Kommunikation ein wichtiger Schlüssel ist, um das Verständnis des Gegenübers zu erhalten. Nur durch Hannas Ehrlichkeit und ihrer totalen Offenheit Eli gegenüber konnte dieser schließlich auf ihre Gefühle und Empfindungen reagieren.
Auch ich kenne solche Momente in meinem Leben, in denen mich etwas so sehr beschäftigt, dass mich selbst die kleinste Äußerung eines anderen – die nicht zwingend etwas mit der eigentlichen Thematik zu tun haben muss – auf die Palme bringt. Hier dürfen wir uns an Hanna ein Beispiel nehmen und ehrlich werden. Sagen, was uns beschäftigt, und dadurch unser Gegenüber in unsere (Gefühls-)Welt hineinnehmen. Das ist immer besser, als in den eigenen Sorgenkreisen zu ertrinken!
Hannas Gebet – Gottes Erfüllung
Doch nicht nur die charakterlichen Eigenschaften Hannas haben Vorbildcharakter. Auch ihre geistliche Haltung beeindruckt mich. Wir wissen nicht, wie lange Hanna schon für ein eigenes Kind betete. Doch wir wissen, dass es ihr ein wichtiges Anliegen war. So wichtig, dass selbst die Aussage ihres Mannes Elkana („Bin ich dir denn nicht viel mehr wert als zehn Söhne?“ [8]) sie nicht zufriedenstellen konnte. Vielmehr zeigt es uns, dass die Zuneigung und Liebe eines menschlichen Gegenübers nie zur vollständigen Erfüllung der eigenen Bedürfnisse führen kann. Das kann allein Gott tun. Und zu eben diesem machte Hanna sich auf. Sie schüttete demjenigen, der sie am besten kannte, ihr Herz aus und flehte ihn unter Tränen an, ihren Wunsch nach einem Kind zu erfüllen. Immer wieder tat sie das, so lesen wir. Sie gab nicht auf!
Was beschäftigt dich? Wofür betest und worum bittest du? Hast du die Hoffnung schon aufgegeben?
Für mich ist diese Geschichte eine neue Ermutigung und Aufforderung zugleich, weiterzubeten und nicht aufzugeben. Wenn wir an einen Schöpfer-Gott glauben, weshalb sollte er dann nicht das für uns Unmögliche ermöglichen? Und noch viel besser ist: Wir werden gestärkt und mit neuer Hoffnung aus dem Gebet herausgehen, wenngleich sich unsere Situation noch nicht geändert hat. Denn Gott erfüllt uns ganzheitlich mit dem, was unser Herz und unsere Seele brauchen. So erlebte es auch Hanna, die den Tempel verließ und neuer Hoffnung war, obwohl sie die Gewissheit eines eigenen Kindes noch nicht hatte.
Der Name Hanna bedeutet „Gunst“ und „Gnade“. Mit Gnade begegnete Hanna ihren Mitmenschen, die ihr nicht immer liebevoll und mit Verständnis entgegentraten. Und mit Gnade begegnete Gott Hanna, indem er sie mit seiner Liebe füllte, ihr neue Hoffnung und schließlich einen lang ersehnten Sohn gab.
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