Paradox der Bibel: Stärke entsteht aus Schwäche
BlogPost · Glaubensleben
Nehmen wir an, du trainierst in einem Fitnessstudio. Bei der „Beinpresse“ hast du viele Kilos gestemmt, mehr als bisher. Am nächsten Tag hast du ordentlich Muskelkater in den Beinen. Bei jedem Schritt spürst du die Anstrengung von gestern. Doch gleichzeitig weißt du, dass dieses schmerzende Gefühl des Muskelkaters nicht lang andauern wird und es dir mit jedem Mal leichter fallen wird, diese Übung für die Beinmuskulatur zu machen. Deine Muskeln werden stetig stärker.
Ich finde, dass dieses simple Beispiel ein biblisches „Paradox“ – eine Aussage, die auf den ersten Blick unvereinbar oder widersprüchlich erscheint, bei genauerer Betrachtung jedoch eine tiefere Wahrheit enthält – gut andeutet: Stärke entsteht aus Schwäche. Im Beispiel sind die Muskeln zunächst schwach, doch wenn wir durch ihre anfängliche Schwäche hindurchgehen, entsteht aus ihr eine neue Stärke.
„Stärke entsteht aus Schwäche.“
Ganz ehrlich, was für eine ermutigende Aussage, oder? Gerade in unserer heutigen Zeit, in der alle stark sein wollen und Schwäche tatsächlich als Schwäche gilt. Schwäche stellt in unserer Gesellschaft einen Makel dar, wenn wir doch nach diesen Motti leben: „Der Stärkere gewinnt.“ – „Nur, wenn du gute Noten hast, hast du Chancen auf dem Arbeitsmarkt.“ – „Die Personen, die es geschafft haben, dem Schönheitsideal zu entsprechen, kommen bei der Partnersuche besser an.“ Um nur ein paar Beispiele von Sätzen zu nennen, die wir in unserer Zeit (leider!) vermittelt bekommen. Es geht ums Durchsetzen gegen die Konkurrenz. Stärke bedeutet Erfolg, glaubst du das nicht ehrlicherweise auch?
Wie oben bereits angedeutet: Gottes Perspektive ist eine gänzlich andere. Die Bibel erzählt an so vielen Stellen davon, dass Stärke aus Schwäche entsteht. Ja, Schwäche ist tatsächlich kein Makel, sondern eine sehr geeignete Voraussetzung, dass Gott in dir wirken kann und dass er dir seine Stärke geben kann. Es kommt auf einmal nicht mehr auf dein eigenes Können und deine eigene Leistung an, sondern auf Gottes Stärke IN dir.
Ein paar Beispiele aus der Bibel:
Gott berief Jeremia als Propheten – Gottes „Sprachrohr“ – für sein Volk Israel. Doch dieser zweifelte an seinen Fähigkeiten, da er sich selbst als zu jung, unerfahren und daher zu schwach für die Aufgabe ansah. Gott überzeugte ihn vom Gegenteil und versprach Jeremia, ihm seine Stärke zu geben (vgl. Jeremia 1). Und bis heute, Tausende Jahre später, ermutigen uns die Prophetien Jeremias in der Bibel.
David hat richtig großen Mist gebaut. Als von Gott eingesetzter König über Israel hat er schlimme, ja, unverzeihliche Fehler gemacht. David war schwach und konnte Versuchungen nicht widerstehen. Das katapultierte ihn aber nicht aus der Berufung Gottes hinaus. David ging zu Gott, dieser gab David seine Stärke und die Geschichte von David ging weiter. Und eines Tages wurde Jesus als ein Nachfahre Davids geboren. Bis heute ermutigt uns Davids Geschichte in der Bibel.
Petrus verleugnete es, Jesus nachzufolgen – aus Angst, die Menschen würden ihn daraufhin ebenfalls verfolgen oder gar kreuzigen. Doch in dieser sichtbaren Schwäche endete er nicht. Petrus bat Jesus um Vergebung. Dieser gab ihm seine Stärke und Petrus wurde daraufhin zu den führenden Aposteln der ersten Christenheit, deren Wirken wir es bis heute zu verdanken haben, dass wir von Jesus Christus überhaupt wissen.
An dieser Stelle könnten noch viele weitere Beispiele genannt werden, wie unmissverständlich Gott aus einer Schwäche eine Stärke entstehen lassen kann. Stets geschieht dies in der Abhängigkeit von ihm. Die Personen stießen an ihre eigenen persönlichen Grenzen. Sie waren sich ihrer eigenen Schwäche bewusst und brachten diese vor Gott. Daraufhin wirkte Gott in ihrer Schwäche und er formte aus ihrer Schwäche eine Stärke.
Ein Statement, das besonders aussagekräftig ist:
Der bekannte Apostel Paulus, von dem die meisten Briefe des Neuen Testaments stammen, hatte auch explizit mit einer Schwäche zu kämpfen. Er benannte nicht, um welche es sich handelte, doch eines steht fest: Paulus wollte diese Schwäche loswerden! Sie war eine Last in seinem Leben. Und das durfte Paulus mit Gott erleben:
„Dreimal schon habe ich den Herrn angefleht, mich davon zu befreien. Aber er hat zu mir gesagt: »Meine Gnade ist alles, was du brauchst! Denn gerade wenn du schwach bist, wirkt meine Kraft ganz besonders an dir.« Darum will ich vor allem auf meine Schwachheit stolz sein. Dann nämlich erweist sich die Kraft von Christus an mir.“ (2. Korinther 12:8+9)
Deine Schwäche ist kein Makel, wenn du mit Gott unterwegs bist.
Gott möchte gerade deine Schwächen nutzen, um dich zur Ermutigung für andere zu machen, die vielleicht die gleichen Kämpfe kämpfen wie du. Weil sie sehen, wie Gott an dir wirkt.
Lass dir gesagt sein:
Deine Schwäche ist nicht vergebens. Und du musst sie nicht allein tragen. Du musst auch nicht zuerst stark werden, damit Gott dich gebrauchen oder gar lieben kann. Egal, welches Thema du mit dir herumträgst, Gott sagt dir zu, dass ER deine Schwäche in Stärke verwandeln möchte. Dass er deine Last tragen möchte. Dass er dein Herz verändern möchte. Und dass du gerade mit deiner Schwäche die Voraussetzung erfüllst, dass Gott eine starke Geschichte mit dir schreiben kann! In der gelebten Beziehung zu ihm.
Binggeli

