Wie gehe ich mit Sünde um? - Vergebung
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In den letzten Beiträgen zum Thema Sünde wurde bereits deutlich, dass auch gläubige Christen nicht frei von Sünde sind, nur weil sie sich für ein Leben mit Jesus entschieden haben. Der entscheidende Unterschied ist allerdings, dass Gläubige anders mit der Schuld umgehen können als Menschen, die ohne Jesus leben. Doch wie genau kann dieser Umgang mit Sünde als Christ aussehen und welche Rolle spielt die Vergebung dabei?
Wenn es um das Thema Vergebung geht, kommt man an der Person Jesus nicht vorbei. Die Entscheidung für ein Leben mit Jesus basiert nämlich auf der grundsätzlichen persönlichen Annahme, dass Jesus als Sohn Gottes durch seinen Tod am Kreuz die Vergebung aller Sünden erwirkt hat und dadurch eine lebendige Beziehung zu Gott möglich wird. Dabei gilt: Alle Sünde – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – ist durch Jesus vergeben. Das ist die Grundlage unserer Gewissheit und unseres Friedens mit Gott.
Doch woher weiß ich denn nun, ob mir wirklich meine Sünden vergeben sind, auch wenn ich mich für ein Leben mit Jesus entschieden habe und vielleicht sogar durch die Taufe ein öffentliches Bekenntnis dessen gegeben habe?
An dieser Stelle lohnt sich ein Blick in die Bibel:
In 1. Johannes 1:9 steht:
„Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“
Das passt perfekt zum bereits behandelten Thema Buße, bei dem es um ein ehrliches Bekennen der Sünde vor Gott geht. Gott erweist sich stets als treu und gerecht, wenn es um die Vergebung unserer Sünden geht.
In Epheser 1:7 finden wir ebenso eine Bestätigung dafür:
„In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade.“
Basis aller Vergebung von Sünde ist und bleibt der Tod Jesu am Kreuz mitsamt seiner unvorstellbar großen Gnade, die er uns Menschen dadurch entgegengebracht hat.
Vergebung in Zusammenspiel mit der Gnade zeigt also: Unsere Vergebung hängt nicht an unserer Leistung, sondern an Gottes Zusage. Und auf diese Zusage dürfen wir schlicht und einfach vertrauen. Denn:
„So fern, wie der Osten vom Westen liegt, so weit wirft Gott unsere Schuld von uns fort!“ (Psalm 103:12)
Das bedeutet nicht, dass wir Sünde auf die leichte Schulter nehmen können. Unsere Rettung hängt nicht an unserer Perfektion, sondern an Christus. Doch das entbindet uns nicht von der Verantwortung, Sünde ernst zu nehmen und Gott um Vergebung zu bitten. Wir werden nie alle Sünden in unserem Leben erkennen und bekennen können, aber Vergebung ist uns dennoch sicher, weil sie auf Jesu vollbrachtem Werk beruht und nicht auf unserer Vollkommenheit.
Wir sind trotz aller Bemühungen nie ohne Sünde. Wir sollen uns aber nicht in Angst und Selbstverdammnis verlieren, sondern mutig auf Gottes Gnade vertrauen – in dem Wissen, dass seine Gnade größer ist als unser Versagen.
Doch vergibt Gott wirklich jede Sünde?
Wenngleich die Bibel deutlich macht, dass Gottes Vergebung unglaublich groß und umfassend ist, hat sie doch auch einen klaren Rahmen.
Grundsätzlich ist Gottes Vergebung unbegrenzt. Es gibt keine Sünde, die zu groß oder zu häufig wäre, als dass Gott sie nicht vergeben könnte – wenn wir ehrlich umkehren! Dennoch ist in der Bibel von einer Sünde zu lesen, die als „unvergebbare Sünde“ erscheint: die Lästerung gegen den Heiligen Geist (vgl. Markus 3:28-29). Darunter kann ein dauerhaftes, bewusstes Ablehnen von Gottes Wirken und seinem Angebot der Vergebung verstanden werden, wenn also jemand sein Herz völlig verschließt und Gottes Gnade ablehnt.
Doch solange du Vergebung suchst und zu Gott umkehrst, musst du keine Angst haben, dass deine Sünde zu groß ist. Gottes Gnade reicht so viel weiter, als wir oft glauben!
Wenn mir nun meine Sünden vergeben werden, muss ich dann nicht auch anderen vergeben?
Eine einfache Antwort hierauf lautet: Ja. Doch die Umsetzung ist oft alles andere als einfach.
Wie oft sind wir hartherzig und unbarmherzig im Umgang mit den Fehlern anderer. Wie oft können wir ein gewisses Verhalten nicht nachvollziehen, sind zutiefst verletzt durch Aussagen oder Handlungen und fragen uns, wie wir überhaupt jemals wieder diesem Mitmenschen begegnen können?
Doch auch hier sollten uns Jesu Vergebung und seine Gnade ein Vorbild sein. So unvorstellbar groß, wie Gottes Gnade ist, so sehr hat sie es verdient, gewürdigt zu werden. Es geht nicht darum, sich selbst oder Gott etwas beweisen zu müssen, indem wir nur äußerlich vergeben, während unser Herz verhärtet bleibt. Vielmehr kann gerade das Gebet helfen, um mit Gott ins Gespräch darüber zu kommen, was uns verletzt hat, und um Hilfe zu bitten, ein weiches Herz zu bekommen.
Anderen zu vergeben, heißt nicht, alles zu vergessen oder plötzlich überschwängliche Nähe zu suchen. Es kann schlicht bedeuten, durch Gottes Wirken innerlich frei zu werden und loszulassen. Vergebung verändert oft zuerst das eigene Herz. Und das ist ein Schritt in Richtung Heilung – vor allem für dich selbst.
Festzuhalten bleibt also: Vergebung ist keine Frage unserer Perfektion, sondern ruht allein auf Gottes Gnade. Sie gilt allen, die sich ihm ehrlich zuwenden – trotz Sünde. Und wer die Vergebung von Gott empfängt, wird frei, anders mit Schuld umzugehen. Sowohl bei sich selbst als auch gegenüber anderen.
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